Max Woelky spielt in Die Überläufer einen Bundeskanzler aus dem Jahre 2032, der an den fehlenden Maßnahmen zur Abwehr von Genoziden verzweifelt: „Unsere Ahnen waren die Zivilisation der Ahnungslosen.“

Die Abwendung, Unterbindung und Verhinderung von Genozid, sowie der militärische Schutz von Zivilbevölkerung sind die Schlüsselfragen des 21. Jahrhunderts. Das Hauptangriffsziel der Kriege der letzten 20 Jahre waren nicht gegnerische Soldaten, sondern mehr und mehr unbewaffnete Zivilisten. Das ZPS ist Mitglied der renommierten Alliance to End Genocide, sowie der International Coalition for the Responsibility to Protect.


Unsere Arbeiten setzen sich mit der mangelnden politischen Bereitschaft, Zivilisten aktiv vor Gewalt, Misshandlung, Vertreibung und Vernichtung zu schützen und der Ungeheuerlichkeit neuer genozidaler Kriegsführung nur wenige Jahrzehnte nach dem Holocaust auseinander.


„Wir wollen dieser Gesellschaft die Frage stellen, was sie gegen den nächsten Genozid zu tun gedenkt.“

Philipp Ruch

Die Ungeheuerlichkeit neuer Genozide

Das Vernichtungslager Auschwitz,

1944 fotografiert von der US-Luftwaffe.

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Alexander Kluge schreibt über eine Frau, die den Bombenangriffen von 1944 mittellos ausgeliefert ist: „Sie hätte vielleicht Mittel gehabt im Jahr 1928, wenn sie sich da noch, vor einer Entwicklung, die dann auf Papen, Schleicher und Hitler zuläuft, mit andern organisiert hätte. Also die Organisationsfrage liegt 1928 und das dazu gehörige Bewußtsein liegt 1944.“

Das Schweigen von Politikern, Intellektuellen und Medien in der Frage, was Deutschland gesellschaftlich gegen Genozide zu tun gedenkt, führt dazu, dass die Verhinderung von Genoziden im Ernstfall erneut nebenher (d.h. neben Steuersenkungsplänen und Telekommunikationsgesetzen) bzw. „aus Versehen“ entschieden wird. Die Frage, ob und was wir gegen Genozide zu tun bereit sind, muss jetzt, hier und heute, in breiter Öffentlichkeit diskutiert werden – bevor es zu spät ist. Das ZPS versucht, diese Diskussion mittels Aktionskunst herzustellen.


Das Zentrum für Politische Schönheit geht davon aus, dass das 21. Jahrhundert das genozidalste Jahrhunderts in der Weltgeschichte werden wird. In Afrika und Asien wird es zu Opferzahlen kommen, die das 20. Jahrhundert weit in den Schatten stellen. Dabei ist der Anteil von Zivilisten unter den Konfliktopfern von zehn Prozent zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf 80 bis 90 Prozent angewachsen.

Genozide finden seit einigen Jahren erneut in medialen Black-Out-Sektoren statt (Demokratische Republik Kongo: fünf Millionen Tote seit 1996). Das Rom-Statut des Internationalen Strafgerichtshofs (2002) erklärt in Artikel 30 (Abs. 3), dass das Wissen um genozidale Vorgänge und das Ausbleiben entsprechender Gegenmaßnahmen seitens einer Regierung das Verbrechen des Genozids bereits darstellt.

Podiumsdiskussion Die UNO und der Völkermord mit der Heinrich-Böll-Stiftung.