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Die Mauertoten sind an den EU-Außengrenzen


Die Installation „Weiße Kreuze“ ergriff vor den Gedenkfeiern zum 25. Jahrestag des Mauerfalls kollektiv die Flucht aus dem Regierungsviertel in Berlin. Die Mauertoten flüchteten in einem Akt der Solidarität zu ihren Brüdern und Schwestern über die Außengrenzen der Europäischen Union, genauer: zu den zukünftigen Mauertoten. 30.000 Tote forderten die EU-Außenmauern seit dem Fall des Eisernen Vorhangs.

„Die Geschichte gehört nicht nur jenen, die sie erlebt haben. Es ist unmöglich, sie von den Zumutungen der Gegenwart abzuschirmen. Diese schlichte Tatsache hat uns die wohl wichtigste und unbequemste Gedenkaktion des Jahres vor Augen geführt.“

Die Zeit

  • „Eine verabscheuungswürdige Tat!“

    Frank Henkel (CDU), Innensenator
  • „Diese sogenannte Kunstaktion ist in Wahrheit absolut geschmacklos und dumm.“

    Sprecher des Berliner Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit
  • „Ein Fall von besonders schwerem Diebstahl“

    Berliner Polizei
  • „Ich finde die Aktion absolut zu verachten! In der wahnsinnigen Aufgabe des Mauerfalls haben wir Deutsche über ein totalitäres System diskutiert, das bei uns stattgefunden hat. Das in einen Zusammenhang zu setzen, finde ich eine schlimme Aktion.“

    Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär
  • „Kunst ist keine Geschmacksfrage! Zynisch wirkt, dass die EU auch auf deutsches Betreiben den Einsatz zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer soeben reduziert hat.“

    Peter von Becker, Der Tagesspiegel
  • „Das eigentliche Problem sind nicht ein paar skrupellose Künstler, die keinen Hehl daraus machen, dass sie die offene Gesellschaft zerstören wollen. Das Problem ist, dass Politik und Medien sie in ihrem Treiben gewähren lassen.“

    Vera Lengsfeld (CDU), ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin
  • „Ein respektloser Akt gegenüber dem Gedenken der Mauertoten.“

    Monika Grütters (CDU), Kulturstaatsministerin
  • „Ich kann verstehen, dass jede Möglichkeit genutzt wird, um auf das Leid an den EU-Außengrenzen aufmerksam zu machen.“

    Jürgen Hannemann, Bruder von Axel Hannemann
  • „Unfassbar, dass mitten im Regierungsviertel eine Gedenkstätte abtransportiert wird und niemand es merkt!“

    Robert Havemann Gesellschaft
  • „Diese Aktion setzt Mut und Phantasie gegen Unmenschlichkeit und bürokratische Phantasielosigkeit. Sie verbindet das Gedenken an die Berliner Mauer mit der aktuellen Realität von verzweifelten Flüchtlingen, die sich gegen die Barrikaden und Stacheldrahtzäune werfen. [...] 'Der Mensch war um diese Zeit nichts mehr, ein gültiger Pass alles.' Diese Beschreibung von Flüchtlingsschicksal ist aktueller denn je in einem Europa, das sich gegen Flüchtlinge abschottet und den Tod von Menschen auf der Flucht billigend in Kauf nimmt.“

    Erich Maria Remarque Gesellschaft
  • „Es gibt schon lange eine ausgeprägte Sehnsucht nach Wirklichkeit auf der Bühne. Hier findet ein künstlerischer Akt eine so resonanzstarke Rückkopplung in die Realität, dass man an Elfriede Jelineks Bonmot über Schlingensief denken muss, der ‚den Herrschenden die Zustände wie eine Torte ins Gesicht’ schleudere.“

    Patrick Wildermann, Der Tagesspiegel
  • „Dass der Berliner Innensenator und die Kulturstaatsministerin nicht den Unterschied zwischen Kriminalität und politischer Kunst kennen, ist nicht nur eine Lächerlichkeit, sondern zwingt einen geradezu zu sagen: Willkommen in der DDR! Wann hat es so etwas das letzte Mal gegeben, dass ein Innensenator einer Theaterdirektorin droht? Wie nennen wir solche Systeme, in denen das geschieht?“

    Mely Kiyak, Schriftstellerin

„Eine spektakuläre Aktion! Was bedeuten diese Toten? Was verlangen sie? Sie sind Mahnung, sie sind Auftrag. Während an der Spree das politische Fanal des Mauerfalls komplett entpolitisiert wird, lenkt das Zentrum für Politische Schönheit die Aufmerksamkeit auf das, was die Lehre, die Botschaft, die Verpflichtung sein könnte von 25 Jahre Mauerfall.“

Spiegel Online

  • „Die Weißen Kreuze sind gestohlen worden mit einer heldenhaften Attitüde und einer pseudohumanitären Begründung, die man für blanken Zynismus halten muss.“

    Norbert Lammert (CDU), Bundestagspräsident
  • „Seit dem Tod von Christoph Schlingensief vermisse ich immer wieder eine starke, provozierende Stimme in der Kunstlandschaft, die politisch interveniert.“

    Shermin Langhoff, Intendantin Gorki Theater

  • „Es geht um die Frage, in welchem Europa wir mit welchen Mauern und Grenzen leben wollen. In einem humanistischen oder pseudohumanitären. Ob wir gedenken oder weiter denken.“

    Der Tagesspiegel
  • „[...] der hirnrissigste Dreck, der in der jüngsten Zeit aus deutschen Theater gekommen ist [...]. Ursache für den Lärm um das künstlerische Nichts ist die notorische intellektuelle Selbstüberschätzung der Theaterleute. Ständig fühlen sie sich gedrängt, die Welt über Dinge zu belehren, die komplett außerhalb ihrer Kernkompetenz liegen.“

    DIE WELT
  • „Was die Aktion bewirkt, ist ein Beitrag zur Selbstaufklärung dieses Landes. Die Aktion behauptet nicht, dass es einfache Lösungen gäbe. Aber sie macht einen nicht gelösten Konflikt sichtbar zwischen moralischen Ansprüchen und demokratisch gewollter Realpolitik, die den massenhaften Tod von Menschen in Kauf nimmt.“

    Peter Laudenbach, tip Berlin
  • „Der Rat für die Künste bedankt sich beim [...] Gorki Theater [...], dass sie eine Kunstaktion unterstützt haben, die uns daran erinnert hat, dass Feiern und Rückschauen auf den 9. November 1989 nicht alles gewesen sein können. [...] Eine wichtige Lehre ist die Freiheit der Kunst, damit Politiker nie wieder in die Versuchung kommen zu bestimmen, was sie für opportun und zustimmungsfähig definieren, um damit ihre Politik zu illustrieren, während andere Kunstformen unterdrückt oder gar vom Staatsschutz verfolgt werden, wie gerade das Zentrum für Politische Schönheit.“

    Rat für die Künste
  • „Dieses Projekt ist aus Sicht von Freiheit von Kunst und Kultur nicht zu beanstanden. [...] Es ist ehrenwert, im Zusammenhang mit dem 9. November auf die heutige Situation von Flüchtlingen aufmerksam zu machen.”

    Klaus Wowereit, Bürgermeister Berlins
  • „Das ist nicht dasselbe. Der Mauerfall ist ein abgeschlossenes historisches Ereignis. Natürlich kann man über Grenzen und Frontex-Zäune diskutieren – aber nicht so.“

    Rainer Eckert, Zeitgeschichtliches Forum
  • "Das ist keine Kunst! Es hat nicht das Geringste damit zu tun, es ist nämlich völlig unüberlegt.“

    Bazon Brock

„Ein Glücksfall für Geschichtsdidaktiker, ein Alptraum für die Organisatoren nostalgischer Erinnerungsveranstaltungen.“

Tobias Bütow, Historiker




"Seit wir am Montag eine Pressemitteilung über die Aktion rausgeschickt haben, regt sich ganz Deutschland auf, dass 14 natürlich große und wichtige Symbole weg sind. Gleichzeitig sterben 24 Menschen im Flüchtlingsboot vor Instanbul, was eine winzige Meldung bekommen hat. Aber wir sind auf Deutschlands Titelseiten. Das reißt die Maske vom Gesicht der deutschen Gesellschaft. Jeder weint nur um seine eigenen Toten. Sobald jemand woanders herkommt, wird nicht mehr viel darüber nachgedacht. – Wir können den alten Mauertoten nur vollumfänglich gedenken, wenn wir auch den neuen Mauertoten gedenken."

Cesy Leonard, Chefin des Planungsstabs

Der Todesstreifen von Melilla bedroht das Leben dieser Menschen (siehe Armverband und Kopfwunde), zu denen die Weißen Kreuze in die Wäldern Marokkos geflüchtet sind.

„Als vor 25 Jahren die Mauer fiel, war das nicht das Ergebnis kluger strategischer Schachzüge von Politprofis, sondern der Aufbruch einer Zivilgesellschaft. Ich habe lange gedacht, dass es diesen einfachen Bürgersinn in diesem Land nicht mehr gibt. In den letzten Tagen hat das Zentrum für Politische Schönheit bewiesen, dass es möglich ist, diesen Sinn zu aktivieren. Die Geschichte ist kein ruhiger Ort. Sie muss uns aufregen und belasten. Gedenken kommt schließlich von Denken. [...] Es wurde viel von unzulässigen Vergleichen gesprochen und oft gesagt, das eine (die Geschichte) habe mit dem anderen (der Gegenwart) nichts zu tun. Ich finde, wenn das wahr wäre, wäre es eine Katastrophe. – Der Reflex in der Politik, Kunst, sobald sie die Grenzen eines traditionellen Kunstbegriffs verlässt, nicht als Kunst anzuerkennen und für irre oder gar verbrecherisch zu erklären, macht mich betroffen. [...]
Wie sagt man in Deutschland so schön unfreundlich: ,Geht mit Gott aber geht‘. Ich würde sagen: geht mit wem auch immer, damit andere kommen können, ohne ihr Leben dafür riskieren zu müssen.“

Shermin Langhoff, Intendantin Gorki Theater

„Der Erfolg der Aktion liegt darin, den absurden Aufwand veranschaulicht zu haben, mit dem, von den deutschen Behörden bis zur bulgarischen Polizei, die europäische Außengrenze geschützt wird, selbst vor ein paar harmlosen Kunsttouristen. [...] Am Ende waren es hässliche Gewissheiten, die die Aktion des Zentrums für Politische Schönheit sichtbar gemacht hat: Die Ignoranz für die wahren Probleme. Statt über Tote streitet man sich über Berliner Lokalpolitik. Statt über die Grenzen der EU diskutiert man über jene der Kunst.“

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

„Daher erstaunt es nicht, dass es den bulgarischen Innenminister in die Bredouille bringt, wenn ausgerechnet deutsche EU-BürgerInnen, gegen den Grenzzaun vorgehen. Die kann man nicht einfach wegsperren und hungern lassen. Die haben ja eine Lobby – und vor allem den richtigen Pass.“

taz

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